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Lombok 2010


Der diesjährige Aufenthalt in Lombok war - vom Wetter her gesehen - nicht glücklich. Es hat noch nie soviel geregnet und gestürmt! Das bestätigten auch die Einheimischen, die sich nicht mehr an solch ein Wetter erinnern konnten. Das zu einer Jahreszeit, in der die Trockenperiode längstens hätte beginnen müssen. Entsprechend wenig Ausflüge haben wir unternommen.


Gescheite Leute haben eine mögliche Erklärung dafür: El Niño heisst der "Bösewicht". Eigentlich ist es ja eine "Sie", nämlich eine pazifische Meeresströmung, die sogar das Wetter weltweit beeinflussen soll. Je nachdem, ob sie warmes respektive kaltes Wasser in Richtung Südamerika oder in Richtung Westpazifik transportiert, ist das Wetter ganz anders.


Aber schaut doch einfach in die einzelnen Seiten unter "2010" rein. Dort werden Bilder und Texte mehr aussagen, als ich es hier machen kann - und will. Trotz allem, die Reise lohnt sich immer. Hauptmotivation sind für mich immer die unzähligen Menschen, die ich im Laufe der vielen Jahre dort kennen gelernt habe. Ich kenne unterdessen ihre Geschichte teilweise vom Kleinkindalter her. Einige sind gross geworden, haben eine eigene Famlie und selber bereits Kinder in die Welt gestellt. La vie se continue...



Lombok 2009


Auch dieses Jahr hielt ich mich - unvorhergesehen - zweimal in Lombok auf. Einmal im März/April, das zweite Mal im September/Oktober. Im Herbst stiess noch mein Lebenspartner hinzu, der - wie gewohnt - rastlos herumreiste und fotografierte. So kann ich denn dieses Mal viele neue Aufnahmen präsentieren, die einen hoffentlich guten Eindruck vermitteln, wie schnell sich jetzt das Leben auf dieser Insel verändert.


Blick auf Kuta Rinjani von Südosten Bei Tanjung Aan Sonnenaufgang beim Heimflug Ausblick von Hans' Haus

Mit dem neuen Flughafen und dem geplanten Massen- und Luxustourismus (ja, beides!) bricht für alle, die hier leben, wohnen und arbeiten buchstäblich eine neue Zeit an. Sie betrifft alle Lebensbereiche: Die Wirtschaft, das soziale Gefüge, die kulturellen Bräuche, die neue - auch umständehalber erzwungene, weil unausweichliche - mentale Einstellung der Menschen. Viele mussten ihre angestammten Häuser verlassen, und viele hoffen auf neue Berufe und Beschäftigung im Tourismussektor und rund um den Flughafenbetrieb. Aber es entstehen dabei auch Spannungen, die sich allzu oft gewalttätig entladen. So hat sich denn die Präsenz der Polizei enorm verstärkt.


Stark vorangetrieben werden jetzt der Strassenbau und die Elektifizierung. So entsteht vor Kuta eine vierspurige Autobahn; dort also, wo bis jetzt nur eine schmale, mit zahlreichen Schlaglöchern durchsetzten Asphaltstrasse hinführte. Und überall an den Berghängen sieht man schwere Baumaschinen, die Strassen vorbereiten und die Hänge absichern. Riesige Areale werden planiert, so dass auf ihnen bald neue Hotels und wohl auch Vergnügungsstätten gebaut werden können. Je nachdem, wen man trifft und mit wem man sich unterhält, spürt man entweder eine gewisse Angst oder aber verhaltene Hoffnung. Etwas wird es ganz sicher auch hier geben: Verlierer und Gewinner. Und wie überall, drängen sich die künftigen Gewinner oft rücksichtslos und unverschämt vor. In erster Linie haben sie es jetzt darauf abgesehen, den Landbesitzern (Bauern, Fischer) ihre besten Parzellen abzukaufen - zu Preisen, die man schon jetzt meist als lächerlich bezeichnen kann.


Die ganze Insel ist endgültig zu einer "Experimentierküche" geworden - sozial, ökonomisch, psychologisch, ökologisch.


So will ich an dieser Stelle keine weiteren Worte mehr verlieren. Schaut euch die Fotos an (es sind diesmal fast 300!) und lest die Kommentare dazu. Viel Spass!



Lombok 2008


Dieses Jahr hielt ich mich zweimal in Lombok auf, das erste Mal im April/Mai, das zweite Mal im August. Im Frühling waren es wieder die vielen Kontakte mit Einheimischen, vor allem jungen Frauen und Mädchen, die mich voll in Anspruch nahmen. Jedes Jahr gibt es wieder einige junge Mütter, die mir dann stolz ihren neuen Nachwuchs vorstellen. Seit vielen Jahren sah ich nun zahlreiche Kinder heranwachsen. Viele hatte ich schon als Baby gekannt, und jetzt gehen sie - wenn es die Situation der Eltern erlaubt - zur Schule. Und einige sind unterdessen schon selber Väter und Mütter geworden. Geheiratet wird hier eben sehr jung. Aber auch die Kinder(und Mütter-)sterblichkeit ist hoch. So erfahre ich immer auch von manchen Dramen, die sich im vergangenen Jahr abgespielt haben. Es kann an dieser Stelle aber einmal gesagt werden, dass das Verhältnis dieser Menschen zu Sterben und Tod ein anderes ist wie bei uns. Vor allem sind diese Ereignisse mehr in den Alltag eingebunden, sie gehören "einfach" zum Leben dazu und werden unsentimentaler angegangen und verarbeitet.


Seit dem Januar 2007 lebt mein Bruder Hans fest in Lombok. Er hat sich im kleinen Dorf Bangkang, nahe bei Kuta, ein stattliches Haus erbaut. Es liegt 100 Meter über dem Meer auf einem Hügel, und man hat von dort aus eine fantastische Aussicht über die ganze Bucht von Kuta bis hin zu den Hügeln, die weit im Osten die Buchten von Tanjung Aan und Gerupuk/Gumbang umrahmen. Und weit draussen, in der Bucht von Kuta, brechen sich die Wellen an einem Riff.


Hier oben in seinem Haus erhält mein Bruder oft Besuch von Einheimischen, die sich von ihm medizinisch behandeln lassen wollen. Er selber hat Erfahrungen im Sanitätsdienst und macht solche Hilfeleistungen gerne und selbstlos. Ein wichtiger Grund ist aber auch, dass sich die offizielle Sanitätsstelle in Kuta noch immer in einem desolaten Zustand befindet. Das betrifft in erster Linie die teilweise zum Himmel schreienden hygienischen Zustände. So habe ich beim zweiten Besuch vor allem viel Verbandsmaterial mitgenommen und es meinen Bruder abgegeben. Er kann damit anstellen, was er für notwendig erachtet. Es ist nämlich sehr wichtig, dass man die Kontrolle darüber behält, wer was erhält, und wozu es verwendet wird. Und das ist nur vor Ort möglich. Zu oft passiert es, dass Hilfsgüter von einzelnen, unkontrollierbaren Personen und Gruppen an sich gerissen und dann mit eigenem Gewinn weiterverkauft werden.


Ich mit jungen Frauen Blick von Hans' Terrasse

In Kuta wohnte ich die letzten paar Jahre im Hotel Kuta Indah. (Und dies zu sehr günstigen Bedingungen; ich kann es nur empfehlen!) Das ist so, weil der Weg zum Haus meines Bruders noch recht beschwerlich ist. Diesen Frühling hat es ganze Abschnitte der Strasse weggeschwemmt, so dass sie nur schwer passierbar war. Und das wochenlang! - "Meine" Leute, das heisst in erster Linie auch die vielen Frauen und Mädchen, die ihr Geld damit verdienen, dass sie vor den wenigen Hotels an die - ebenfalls wenigen - TouristInnen hauptsächlich gewobene Tücher und Sarong verkaufen, haben keine Möglichkeit, dorthin zu kommen (ausser ich fahre in einem Bemo einmal mit ein paar von ihnen hinauf). Also muss ich selber zu den Leuten hin, und das geht am besten, wenn ich mich in einem Hotel "einniste". Von da aus kann ich auch zu den Menschen gehen, sie in ihren Häusern, kleinen Geschäften, ihren Treffpunkten oder in der Schule besuchen. Ich bin so für sie problemlos erreichbar, und umgekehrt.


Einige Enttäuschungen blieben mir nicht erspart. So wurde mir im Mai, kurz vor dem Rückflug in die Schweiz, die Kamera gestohlen. Das hätte ich leichter weggesteckt, wenn nicht gleichzeitig auch der Chip damit auf Nimmerwiedersehen verschwunden wäre. Mit über einem halben tausend Fotos drauf!... Darum findet ihr nur Aufnahmen, die ich während des kurzen Aufenthalts im August, in der Trockenzeit also, gemacht habe. - Die grösste Enttäuschung erlebte ich aber mit einem Patenjungen (jetzt 16 Jahre alt), dem ich jahrelang den Besuch der Schule ermöglicht hatte. Obschon sehr begabt, vor allem in Sprachen und künstlerischen Fächern (Zeichnen, Malen), hat er plötzlich die Schule geschmissen und - geheiratet. Und wenn's nur das gewesen wäre... Aber das sind halt die unvorhersehbaren Risiken, die man bei persönlichen Hilfeprojekten eingeht. Nach unsern Wunschvorstellungen klappt nie alles. Das gilt hauptsächlich auch dann, wenn man nicht die Möglichkeit hat, in aussergewöhnlichen Situationen das direkte, persönliche Gespräch zu führen, um dann entsprechend intervenieren zu können.


Zu den Bildern: Oben seht ihr mich mit ein paar jungen Frauen, die ich bereits seit meinem ersten Besuch, 1999, kenne; das untere Bild zeigt einen Teil der Aussicht in Richtung Kuta und Osten vom Haus meines Bruders aus.



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